Donnerstag, 28. Mai 2015

Passe auf, mit wem du redest!

Nun ist auch der zweite Tag in der Millionen-Metropole Istanbul bereits vorüber. Die erwarteten Eindrücke und neuen Erfahrungen haben sich bereits heute schon so überschlagen, dass ich hier gar nicht alles niederschreiben kann und werde, denn dann müsste ich wohl die Nacht durchschreiben. Ob penetrante Straßenverkäufer, feiernde Fußballfans oder einfach nur die vielen Verkaufsstände mit allem, was das Herz begehrt, ob streundende Babykatzen, gefälschte Markenklamotten oder traumhafte Blicke über den Bosporus - all das ist nur ein Bruchteil von meinen heutigen Erlebnissen, aber nun von Beginn an..

Nach einer wirklich erholsamen Nacht in meinem 14er-Schlafsaal (was tut man nicht alles für den Geldbeutel) gab es gleich nach dem Aufstehen das im Preis enthaltene Frühstück. Es war ein typisch türkisches Frühstück, bestehend aus Weißbrot mit Butter, Tomaten und Gurken, Feta und Oliven sowie Eier. Zum Trinken gab es Çay, türkischen Tee. Da Weißbrot nicht so wirklich mein Freund ist, habe ich mein Fokus auf die Eier sowie den Feta mit dem Gemüse gelegt, was echt alles echt lecker war. Lediglich die schwarze Olive, an welche ich mich mal rantasten wollte, konnte mich nicht überzeugen :) 

Gestärkt ging es im Anschluss dann zu Fuß los, Ziel unbekannt. Vorbei am Galata-Tower und zahlreichen kleinen Gässchen überquerte ich eine der Brücken und machte mich auf in die Altstadt von Istanbul. Der Gewürzmarkt war mein erster Ort, den ich spontan durchquerte. Und wie man sich einen Markt voller Gewürze eben vorstellt, waren die kleinen überdachten Gässchen voller Gewürze wie Safran oder Chilisorten, aber auch andere Kleinigkeiten wie Teegläschen mit Untersetzern oder traditionellen Lampen konnte man dort finden. 
Außerhalb war wirklich jede Gasse mit Läden überhäuft, in der kein Wunsch offen bleibt. Von Nähmaschinen über Stahlbohrer und Kinderspielzeug bis hin zu Scharfschützengewehren oder Kochtöpfen, einfach alles.
Und dann gibt es noch die unzähligen Drehspieße, dessen Geruch einem gleich das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.
Es war wirklich sehr schön, das alles auf sich wirken zu lassen, wären da nicht die Taschen- oder besser gesagt Tütenverkäufer, die einem die besten Parfums andrehen wollten, alles natürlich original. Der billige Preis sei nur, weil die Ware duty-free sei. Na dann :D Solche Verkäufer waren teilweise ungelogen 3-4 Minuten an mir dran, liefen mir hinterher und schraubten die Preise herunter. Dabei sagte ich nicht mehr als Nein und Nein, danke. So konnte der Preis mal schnell von 50 Lira auf 10 Lira fallen. 
Aber auch die anderen Verkäufer, teilweise weit unter der Volljährigkeit, nannten mich ihr Freund und rieten mir, ich müsste mal wieder eine neue Jeans kaufen, und Socken wären auch gut. 
Am Ende konnte ich mich dann stolzer Besitzer von zwei No-name Hemden und ein paar neuer Schuhe nennen, alles zusammen für umgerechnet etwa 19-20€. 
Nach ewigem Rumgefrage und sehr vielem Rumlaufen, bestimmt 16 km, hatte ich nämlich endlich die Gasse gefunden, in der es nicht immer die gefälschten HugoBoss und Lacoste- Hemden gab für 60 Lira sondern normale Hemden für 10 Lira. Das hat mich ziemlich gefreut, wenn ich ehrlich bin. Ich dachte nämlich schon, ich gehe ohne Klamotten wieder zurück ins Hostel.
Zwischen dem Wandern habe ich dann auch mehrere neue türkische Spezialitäten ausprobieren können. Während die einen gebäckartigen Dinger für mich noch keinen Namen haben, genoss ich in dem einen Restaurant ein Hähnchenspieß auf türkischem Reis mit verschiedenen Salaten. Eine günstige und unbedingt benötigte Stärkung.
Später ging ich dann wieder zurück ins Hostel, um mich kurz auszuruhen und meine Sachen abzulegen, bevor ich mich wieder losmachte.
Jetzt wollte ich nochmal auf die Einkaufsmeile, um zu Abend zu essen und mir eine türkische SimCard zu kaufen, damit ich auch Internet habe und erreichbar bin. Und weil ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, fand ich vor meinen Füßen 40 Lira. 
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht kaufte ich mir dann einen Teller "Izgara Köfte" mit Salat und Ayran, welches alles soo lecker geschmeckt hat. Köfte ist gehacktes Rinderfleisch, welches traumhaft gewürzt ist und wirklich sehr lecker schmeckt.
Auf dem Rückweg hatte ich dann aber alles andere als Glück, eher gesagt Glück im Unglück. Während ich auf dem Weg zum Hostel war, fragte mich ein netter Mann, welcher sich später als Achmed vorstellte, nach der Uhr. Wir kamen ins Gespräch und liefen zusammen in Richtung Unterkunft, als er sagte, ihm gehöre das Café gleich da vorne. Als ich weiterlief, war er kurz weg und kam gleich darauf wieder an und fragte mich nochmals nach meinem Namen. "Daniel war dein Name, oder? Ich bin Achmed, falls du es vergessen hast" sagte er und gab mir nochmals die Hand. Als ich dann etwas in meiner Hand spürte und sah, dass er mir ein Päckchen Marihuana in die Hand gedrückt hatte, schalteten sich bei mir die Alarmglocken auf dunkelrot. Kurz darauf wurde er laut und befahl mit mit rauer Stimme, ich solle ihm auf der Stelle 200 Lira für das Marihuana geben, schließlich habe ich es jetzt gekauft. Ich schmeißte das Zeug direkt auf den Boden und lief mit schnellem Schritt weg von ihm. Er verfolgte mich und schrie mir noch hinterher. Ohne mich umzudrehen ging ich weiter, bis ich im Hostel ankam, wo ich erstmal mein Gesicht auswaschen musste und mich hinsetzte. 
Mittlerweile hat sich mein Puls wieder normalisiert, aber die Gefahr, in die ich mich begeben habe, habe ich noch nicht hundertprozentig realisiert, obwohl ich während dem Gespräch schon kurz misstrauisch wurde.
Glücklicherweise ist alles gut gegangen und ich hab meine erste Lektion gelernt! 
Keinen Grund zur Sorge, Daniel passt ab jetzt noch besser auf sich auf und lässt sich erst gar nicht mehr auf solche Gespräche ein!


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