So, mittlerweile sind es bereits 5 Tage, in denen mein Blog nicht weiter gefüllt wurde. Ich war rund um die Uhr unterwegs, habe viele nette Leute getroffen, und gemeinsam haben wir Sachen unternommen, sind gewandert oder haben den Abend zusammen verbracht. Jetzt ist es aber mal wieder Zeit für einen kurzen Rückblick, wie der Rest meiner ersten Woche abgelaufen ist...
Mein Plan für Freitag war es, die zwei größten Moscheen der Stadt, zu besichtigen. Und weil es am schönsten ist, zu Fuß die Stadt zu erkunden, ging es eine gute halbe Stunde vom Hostel über die Brücke nach Sultanahmet, dem Stadtteil mit den historischen Moscheen. Am Ziel angekommen, erwartete mich eine große Menschenmenge, mehrere Touri-Busse und lauter Kameras. Ziemlich überfüllt mit Touristen, aber hab auch mit nichts anderem gerechnet, schließlich ist die Hagia Sophia DIE Sehenswürdigkeit in Istanbul. Und natürlich wollte auch ich sie mir ansehen - jedoch überlegte ich zweimal, ob ich auch wirklich in die Moschee hereingehe. Letztlich entschied ich mich doch dafür und es war echt sehr beeindruckend. So monströs und aufwendig gestaltet, aber leider alles voller Leute.
Die benachbarte Moschee, die Blaue Moschee, hab ich dann nicht besichtigt, schließlich wäre dort genau das gleiche Chaos gewesen. Also entschied ich mich, eine weitere Tour durch die Innenstadt zu machen, um neue Gässchen mit schönen Restaurants beziehungsweise Essensständen zu finden. Dies hat sich wirklich gelohnt, denn ich habe einen Laden mit einem verdammt leckeren Essen gefunden. Zu Essen bekam ich das sogenannte Adana Kebab, ein gut gewürzter Spieß aus Rindfleisch,standardmäßig mit türkischem Reis und Salat, dazu das türkische Erfrischungsgetränk Ayran. Später rätselte ich dann im Sonnenuntergang am Bosphorus und machte mich dann auf den Heimweg.
Dort traf ich dann ein paar Leute, mit denen ich mich nett unterhielt und wir uns kurz darauf los in die Stadt machten, um was zu trinken. Es war eine Gruppe aus Stuttgart, die dort Architektur studieren. Jeder kam aus einem anderen Land. Mexiko, USA, Kolumbien, Taiwan, Polen.. Alles war vertreten. So verbrachten wir den Abend bei ein paar Bier und rauchten eine typische türkische Wasserpfeife und gingen im Anschluss daran noch in einen Club.
Es war ein echt schöner Abend. Besonders hat es mich gefreut, mal mehr mit Leuten reden und was zusammen zu unternehmen. Dies hatte ich die ersten zwei Tage etwas vermisst.
Samstag war ein echt schöner Tag mit neuen Impressionen in kultureller, landschaftlicher als auch kulinarischer Hinsicht. Aber bevor ich den Tag genießen konnte, ging es für mich erstmal eine halbe Stunde zu Fuß zum Ticketshop und wieder zurück - ich musste noch ein Ticket für meine Weiterfahrt am Abend organisieren.
Danach ging es auch gleich mit der Metro weiter an den Hafen, wo ich eine schöne Bosphorus-Tour machte. So konnte man sofort sehen, wie anders die asiatische Seite im Gegensatz zur europäischen ist, zumindest was den Baustil betrifft. Leider war das Schiff ziemlich voll, aber dennoch hab ich die zweistündige Fahrt sehr genossen!
Im Anschluss fand ich gleich am Hafen einen interessanten Stand, welcher Fischbrötchen verkaufte, im Türkischen "balik ekmek". Und weil ich so viel wie möglich probieren wollte, zögerte ich nicht und konnte so für ca. 1,70€ ein super leckeres und vor allem frisches Fischbrötchen genießen.
Gestärkt ging es dann zurück zur Unterkunft, wo kurz darauf schon mein privater Shuttle-Service auf mich wartete - der Beginn einer wirklich interessanten, aber teils auch leicht schmerzenden Erfahrung. Es ging in ein Hamam, wo ich ein traditionelles türkisches Bad nehmen wollte.
Und da ich gerne die wirkliche Türkei kennenlernen möchte, abseits aller Touristenorte, fand ich ein traditionelles Hamam in einem benachbarten Stadtteil, welches dort seit dem 16. Jahrhundert existiert.
Als ich dort ankam, bemerkte ich schnell, dass dort nie ein Touri vorbeischaut: ich wurde von jedem interessiert angeschaut und wirklich keiner konnte nur ein Wort Englisch. Also waren meine wenigen Türkischkünste gefragt. :D
Los ging es mit einer traditionellen und echt heißen Sauna, bekleidet lediglich mit einem 'pestemal', einem dünnen (aber ausreichendem) handtuch.
Nachdem meine Poren geöffnet und ich ordenlich am Schwitzen war, ging Erdogan, mein Masseur, mit mir in den Waschraum, wo ich mich auf erhöhte Fliesen setzte und er mich anschließend waschte, ohne dass ich auch nur irgendetwas machen musste. Er hatte einen besonderen Schwamm, eher rau, und schrubbte meine Arme und Beine so hart, dass sich der Dreck aus den Hautporen sichtbar machte - wie bei einem Radiergummi nach dem Radieren. Dann nahm er meinen Kopf, drückte ihn nach unten mit der einen Hand und schlug mir mit der anderen kräftig auf den Rücken. Okay dachte ich mir.. Aber dann ging es erst ans Eingemachte, jetzt wurde massiert. Dazu nahm er mich an die Hand und führte mich in einen weiteren Raum, wo ich mich auf eine heiße Steinplatte legte. Dann hieß es für Erdogan, mir eine Massage zu geben. Für mich war das eher Aushaltevermögen testen, Einrenken der Knochen und starke Dehnung der Muskeln und Sehnen.
Eine wirklich sehr robuste Massage hatte ich über mich 15 Minuten ergehen lassen, in denen sich Erdogan mit seinen geschätzen 105 Kilo auf mich lehnte und Muskel für Muskel massierte. Und dann nahm er beide meiner Arme, verschränkte sie maximal vor meiner Brust und drückte auf einmal ruckartig mit seinem Kampfgewicht meine Arme herunter, sodass ein lautes Knacken in meiner Brust als auch in meinem Rücken zu hören war. Das hat mich leicht Angst gemacht, wehgetan hat es allerdings nicht allzu doll.
War die Massage vorüber, wurde ich erneut in den Waschraum geführt. Diesmal wurde ich mit Schampoo eingeseift, wieder ohne jegliche Anstrengung für mich. Meine Arme wurden hochgehoben, meine Beine streckte er auch für mich aus. Sehr ungewohnt, um ehrlich zu sein.
Nachdem er mir dann das Schampoo mit mehreren Schüsseln heißem und kaltem Wasser abspülte, war mein erstes Hamam fertig - dachte ich. Jetzt durfte ich noch einmal aufstehen, er stand vor mir, legte seine Hände auf meine Schultern, sah mir in die Augen. Dann drückte er mit den Daumen in meine Halsregion, erst der äußere Bereich, dann immer mittiger. Dies machte er mit solch einem Druck und einem sehr beängstigten Blick, als ob er mich erwürgen wolle, dass ich "Dur!" Rufen musste, was Stopp heißt. Es tat mir einfach diesmal richtig weh und ich bekam schlechter Luft. Am Ende erfuhr ich, dass dies die traditionelle Art ist, eine Lymphdrainage durchzuführen. Ich war erst in dem Glauben, er wolle mir Angst einjagen und sich ein Spaß erlauben, weil ich hier der einzige Tourist war.
Schließlich wurde ich zurück in meine private Umkleidekabine geführt, bekleidet mit drei dicken Handtüchern. Eines um die Hüfte, eines um die Schultern und zuletzt noch eines auf dem Kopf. Und weil ich vorher schon nichts selbst gemacht habe, wurde ich jetzt auch noch abgetrocknet.
Dann hatte ich Zeit, mich wieder anzukleiden. Dazu bekam ich einen Çay, den typisch türkischen Tee, gereicht. Mein Hamam war beendet, ich fühlte mich trotz der "Strapazen" richtig wohl und entspannt und zu guter letzt war ich um eine sehr interessante Erfahrung reicher.
Den Abend genoss ich dann bei einenn leckeren Hühnchenkebab in der Stadtmitte, bevor es schließlich zum Busbahnhof ging. Dort wartete mein Bus nach Kappadokien, im Landesinneren. Denn anders als geplant, hatte ich so Lust auf diese Region, dass ich nicht in Ankara stoppen wollte. Und zudem hatte ich von anderen Backpackern gehört, dass es nicht lohnenswert ist, extra über Ankara zu fahren. Und so ging is in den Nachtbus für die nächsten 11 Stunden. Ich würde statt Nachtbus eher Hotel auf Rädern sagen, denn der Service und die Ausstattung war extraklasse. Sowas würde man in Deutschland niemals finden. Zunächst war der Bus mit nur rund 39 Sitzen ausgestattet, nicht wie sonst um die 50/60 Plätze. Man hatte mehr Beinfreiheit und auch die Sitze waren breiter. Und weil das noch nicht genug war, gab es auf jedem Platz ein eigenes Entertainment-System: ein großer eingebauter Bildschirm mit Musik, Radio, Filmen, Spielen und sogar Internet. So ging meine Fahrt also mit einer Party AngryBirds los, bevor der "Kellner" mit seinem kleinen Wägelchen Tee und Kaffee, Saft und Cola verteilte. Dazu konnten wir uns diverse Snacks wie Schokolade, Sesamstangen oder Kekse aussuchen. Zum Abschluss gab es für jeden ein Erfrischungstuch, gefolgt von einem Vanille-Schoko-Eisbecher. Ich konnte es wirklich nicht fassen, welch Luxus einem hier auf einer Halbtagesfahrt geboten wird, für den man noch nicht mal 30€ zahlt. Einfach unglaublich. Später nahm ich mir dann drei Kissen aus dem Kissenbehälter und schlief den Rest der Fahrt so gut es ging.
Und dann waren wir irgendwann da, in einer, einem surreal vorkommenden, Gegend - in Kappadokien. In mitten der Natur, umgeben von den verschiedensten Felsformationen, liegt Göreme, ausgesprochen Görämä :)
Dort fand ich nach der Ankunft zu erst den Weg zum gebuchten Hostel, wo mich Anna, die Verantwortliche für alles, herzlichst willkommen hieß.
Nachdem wir einige Zeit uns unterhielten und sie mir viel über die Region erzählte, gingen wir mittags zusammen mit Malia von Hawaii sowie Yunus aus Istanbul in die Innenstadt, wo wir die leckerste Linsensuppe von Kappadokien aßen. Und das sag ich jetzt nicht nur so, die Suppe wurde bereits dreimal in einem Wettbewerb als Erstplatzierte ausgezeichnet :)
Dementsprechend lecker war sie auch, einfach genial! Daraufhin gingen wir in ein weiteres Restaurant, wo wir neben Tee eine tradionelle Nachspeise namens Künefe genossen haben. Dies ist ein Dessert bestehend aus türkischen Fadennudeln mit Käse, Butter und Zuckersirup. Obendrauf gibt es Eiscreme und geraspelte Pistazien dazu. Auch das war echt verdammt lecker, die Kalorienzahl will ich aber lieber nicht wissen :D
Als wir dann wieder zurück im Hostel angekommen waren, habe icb mich erstmal ein wenig ausgeruht, bevor ich mit Yunis zu einem Aussichtspunkt nahe dem Hostel gewandert bin. Die Aussicht ist einfach unbeschreiblich, ich denke die beigefügten Bilder dieser Landschaft sprechen für sich :)
Abends aßen wir dann zusammen mit dem Spanier Axel sowie dem Pakistani Ameer Pide, eine türkische Pizza, traditionell mit Soße,Hackfleisch und frischer Petersilie. Natürlich, hat auch das, wie ungefähr alles andere hier, wunderbar geschmeckt.
Gestern war der wahrscheinlich anstrengenste, dafür aber auch der schönste Tag soweit - 27 Grad und strahlend blauer Himmel.
Angefangen hat der Tag für mich bereits um 5 Uhr in der Früh. Ich wollte hoch auf den Berg zu dem Aussichtspunkt und dort den Sonnenaufgang genießen mit samt den zig Heißluftballons. Denn Kappadokien ist berühmt für seine Heißluftballonflüge. So starten jeden Morgen um die 100 Luftballons. Als ich dann angekommen war, waren die ersten schon in der Luft. Der Himmel war glasklar und es war einfach nur traumhaft, die Müdigkeit war mir sofort egal. Es hatte sich einfach vollstens gelohnt - und war dafür noch umsonst.
Nach dem ich einige Zeit den Himmel beobachtet hatte, ging es nochmal für ein Stündchen ins Bett, dann wurde gefrühstückt und kurz darauf wartete der Minibus auf den Spanier Axel und mich. Wir hatten eine Tour gebucht, um auch an die weit entfernten und schwer zu erreichenden Orte zu gelangen. So starteten wir mit einem tollen Aussichtspunkt in den Tag, bevor wir zur größten Untergrundstadt der Welt fuhren. Diese Höhle beziehungsweise Stadt ragt 8 Stockwerke tief in die Erde, ist so groß wie 65 Fußballfelder und hat Platz für bis zu 20'000 Personen. Wir besichtigten die Kirche, Küche, Wohnzimmer etc. und waren teilweise bis 55 Meter unter der Erde. Das war echt sehr erstaunlich. Ich hab jetzt immer noch keine Ahnung, wie man so etwas erschaffen hat, und vor über 5000 Jahren schon alles über Luftzirkulation, Luftabzug etc gesusst haben muss. Sehr beeindruckend.
Nach der Höhlenstadt in Derinkuyu ging es weiter in eine Art kleinen Canyon, wo wir knappe vier Kilometer am Fluss entlangwanderten und uns mit einem leckeren Mittagsmenü belohnten.
Der nächste Stopp war eine große, in diesen riesigen Felsen gebaute Kathetrale. Auch hier konnte man wirklich noch alles erkennen, wo der Altar gestanden haben muss, wo man wohnte und so weiter. Wirklich sehr interessant.
Der letzte Stopp war schließlich ein kleiner Laden, in dem wir jegliche türkische Süßigkeiten probieren konnten und dazu kostenlosen Tee bekamen. Das war ein schöner Abschluss der Tour!
Den Abend gingen Axel und ich dann mit ein paar weiteren Leuten vom Hostel sowie von der Tour auf den Berg, um uns den Sonnenuntergang über den tollen Felsformationen anzusehen. Schließlich gingen wir alle zusammen noch essen und tranken im Anschluss gemeinsam hausgemachten Wein auf der Terasse des Hostels und ließen den Abend so bei netten Gesprächen ausklingen.
Ein weiterer schöner Tag meiner Reise ging somit wieder zu Ende.
Heute wurde gekocht, gewandert und gegessen.
Gemeinsam mit dem Spanier Axel besuchte ich nach dem Frühstück eine einheimische Familie, die nur für uns beide einen Kochkurs geben wollte. Und da die Mutter gleichzeitig die beste Linsensuppe der Region macht, die wir zuvor ja probiert hatten, durfte ich heute lernen, wie man diese zubereitet. Während die Suppe die Vorspeise darstellte, waren gefüllte Auberginen,Paprikas,Kartoffeln und Tomaten sowie gefüllte Weinblätter die Hauptspeise. Dazu machten wir den super leckeren türkischen Reis. Aside, ein undefinierbarer, aber leckerer Nachtisch stellte das Dessert dar. Nachdem alles gekocht war, durften wir auch alles essen. Es war einfach so unglaublich lecker, dabei ist alles eigentlich so einfach herzustellen.
Völlig voll ging es zurück zum Hostel, so wir uns fertig machten, um zu wandern.
Dann machten wir uns auf den Weg und erkundeten die angrenzenden Gebiete, welche wie von einem anderen Planeten wirkten. Einfach unbeschreiblich. Begleitet von einer streunenden Labradorhündin wanderten wir durch die verschiedenen Täler und kletterten die historischen Höhlenhäuser hinauf, welche teilweise über 20 Meter hoch ausgebaut waren. Auch hier war es wieder super faszinierend, wie man solche Häuser in einem Felsen erschaffen konnte zu der Zeit. Wirklich faszinierend! Man muss das mit eigenen Augen gesehen haben. Es ist schwer, das alles durch die Bilder wahrzunehmen. :)
Den Abend ging ich dann mit Anna, der Hostelmitbesitzerin und Jonathan aus der Schweiz essen. Diesmal gab es den für die Region sehr bekannten Testi Kebab. Dies ist ein, in einem getöpferten Behälter zubereitetes Gericht, bestehend aus einer beliebigen Fleischsorte zusammen mit Gemüse. Dazu standardmäßig Reis und Salat sowie Brot und Pepperoni. Diese getöpferte Art Vase wird nach dem Garen in der Holzkohle mit einem Hammer in der Mitte an der bereits vorgesehenen Einkerbung aufgeschlagen. Anschließend isst man daraus :)
Und auch dieses Gericht war einfach nur göttlich! Ich weiß echt nicht, wie lange ich noch dem türkischen Essen hinterhertrauern werden, sobald ich wieder in Deutschland bin. :D
Auf jeden Fall genieße ich meine Zeit in vollen Zügen! Ich hoffe, euch geht es auch allen soweit gut!
Bis bald!
















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